Der Auftrag
Erinnerung an eine Revolution

von Heiner Müller
Vor-Diplominszenierung

 

Galloudec Leonhard Hugger
Debuisson Lisa-Maria Sommerfeld
Sasportas Emilia Rupperti
Antoine | Sklave 1 August Elias Kirschgens
Matrose | Sklave 2 Maya Unger
Erste Liebe - Vater Corvin Hummer
Erste Liebe - Mutter Annina Hunziker
Engel der Verzweiflung Sümeyra Yilmaz
Stimme Durchsage Eva Dorlass
   
Regie Thyl Hanscho

Bühnenbild
 

Fabian Liszt,
Marlene Lübke-Ahrens
Kostüme
 
Clarisse Maylunas
und Ensemble
Dramaturgische
Mitarbeit

Eleonore Khuen-Belasi
Licht Gerhard Fischer
Sounddesign David Lipp
Regieassistenz Benjamin Palme
Koordination Afra Koschat
Inspizienz Friederike Wartenberg


Termine
Do 24. Jänner 2019 | Premiere
Fr 25. | Sa 26. | Mo 28. Jänner 2019
Beginn: jew. 19.30 Uhr

Aufführungsort
Neue Studiobühne im Max Reinhardt Seminar
Penzinger Straße 7 | 1140 Wien

Karten
Bestellung per E-Mail
oder Tel: 01 - 711 55 - 2802
Eintritt: freie Spende
 

Ja. Ja, ich erinnere mich. Revolution. Das hätten wir tun sollen. In Jamaika. Sklavenaufstand. Ein Sklavenhaltersohn, ein Bauer, ein ehemaliger Sklave. Drei Menschen, ein Auftrag. Nur warum das einfach nicht gelingen wollte, das mit der Revolution, das weiß ich nicht. Es hatte wohl damit zu tun, dass wir unter unseren gleichen Maskenuniformen doch so verschieden waren. Und damit, dass Debuisson ein Verräter ist. Und damit, dass wir lieber Revolution spielen, als sie zu machen. Das war ja alles grotesk komisch. Irgendwie traurig auch. Und irgendwie haben wir das immer wieder gemacht. Immer wieder Revolution geplant, immer wieder Revolution gespielt, immer wieder Revolution konsumiert. Nie gemacht. Weil da war der Verrat dann ja doch einfacher.

Erzählt wird die Geschichte einer gescheiterten Mission des französischen Revolutionskonvents, in Jamaika einen Sklavenaufstand anzuzetteln. Der Text tut dies in einer verdrehten Dramaturgie (das Stück beginnt mit seinem chronologischen Ende), mit grotesk übertriebenen Bildern (die Verkörperung der Sklaverei tritt auf als "Erste Liebe") und dem Einschub eines scheinbar mit der Handlung unzusammenhängenden Monologs ("Der Mann im Fahrstuhl"). Das Stück ist ein Kaleidoskop über Revolution, Kolonialismus, Repräsentation, Ausbeutung und Verrat.

Thyl Hanschos Vor-Diplomsinzenierung möchte das Publikum mit der Frage konfrontieren, wie viel Unsolidarität in jedem von uns steckt. Die aufgeladene Sprache und unkonventionelle Dramaturgie des Stückes werden in einen Kontext der alltäglich banalen Leichtigkeit gesetzt - einen Supermarkt. Denn in der Leichtigkeit, im Banalen, offenbart sich die wahre einschleichende Macht einer unsolidarischen Sprache. Dabei darf allerdings nie in Vergessenheit geraten: Heiner Müllers Stücke anzuschauen ist noch keine Revolution. Es ist nur ein Ersatz.

Das Theater der Revolution ist eröffnet.
Galloudec in Der Auftrag

Heiner Müller, 1929 in Eppendorf, Sachsen geboren, wurde zu einem der wichtigsten deutschen Dramatiker der Nachkriegszeit und dem wohl wichtigsten Dramatiker der DDR, schrieb Stücke über den sozialistischen Aufbau, Kapitalismus, Revolution, sowie (post)moderne Bearbeitungen antiker und klassischer Stoffe, führte Regie und leitete das Berliner Ensemble. Der Auftrag, 1979 geschrieben, ist neben Hamletmaschine eines seiner bekanntesten Stücke.
"Wenn ich ein Stücke schreibe, brauch ich niemanden umzubringen. Das macht mich also gesellschaftsfähig, diese Tätigkeit. Ich weiß nicht, ob ich jemanden umbringen würde, wenn ich keine Stücke schreibe, aber das Bedürfnis wäre sicher sehr viel stärker, als wenn ich die Möglichkeit hab, das auf dem Papier zu machen."